Geschichte

Gruppen und Berichte über ihre Entstehung oder Geschichte gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Ob es sich lohnt, diese niederzuschreiben beziehungsweise für Außenstehende sie zu lesen, liegt dabei zum Beispiel an den Besonderheiten in der Gruppenstruktur oder der Gruppendefinition, in den meisten Fällen allerdings an dem Erlebten, was für jeden Beteiligten, sei es ein früheres Mitglied oder ein scheinbar ewiger Teil der Gruppe, auch in Textform vorliegen sollte. Nicht, um sich daran zu erinnern, sondern vielmehr um mit einem Lächeln auf den Lippen jeden Satz, den man irgendwann eh schon auswendig kennt, zu genießen. Dabei fällt leider viel Material unter den Tisch, da man sich ja allein den wichtigen Punkten widmen will, aber eine Wertung abzugeben, die wichtig von unwichtig unterscheidet, würde länger dauern, als die Gruppe alt ist. Von daher gibt es für uns nur einen Weg zur Vollendung und das ist wild drauf los schreiben, mit Strichen und Kästchen zu verbessern, das Ganze zu zerreißen, neu schreiben mit Strichen und Käs...um dann irgendwann etwas abzutippen, was endlich passend erscheint, obwohl man in ein paar Wochen sowieso wieder alles neu schreiben möchte. Diesen Schritt behalten wir uns natürlich vor:

Das Erste, was spontan in den Sinn kommt, ist eine Wohngemeinschaft, bestehend aus 3 jungen Unionern, mitten in Berlin-Hellersdorf. Sekundär wohnte man dort natürlich samt Hausstand bestehend aus einer Matratze und einem Schrank, aber primär trafen sich dort, vor und nach Spielen der Eisernen aus Köpenick, eine Stube füllende Menge junger Fans, um zu philosophieren, zu trinken und zu feiern, bis "Wachtmeister Spielverderber" um Nachtruhe bat. Wir befanden uns zu dieser Zeit im Abstiegskampf, doch im Endeffekt kann man sagen, dass wir auch ohne Kampf souverän abgestiegen waren und daher zumindest von einer gewissen Konstanz sprechen konnten, als der süßliche Duft des WG internen Schmunzeltabaks die Spiele erträglicher widerspiegelte. In dieser wohnlichen Atmosphäre zwischen Flaschen, Aschenbechern und diversen Sitzmöglichkeiten älteren Baujahrs, entstand der Gedanke, die Freundschaft einiger und deren gemeinsame Liebe zu Union Berlin in einem Namen zu vereinen. Keine Pläne, keine Ziele, zumindest vorerst, sondern einzig ein Deckel für die Truppe, deren späterer Werdegang noch keinen interessierte. Gemäß dem Konsum an einem dieser WG-Tage in Verbindung mit einer Tattoo-Vorlage, die ab dann 2 Jahre unser Symbol sein sollte, entstand der Gruppenname Hammerhearts, den wir seither zu jeder Zeit mit Stolz im Herzen trugen. Wir stehen zu unserer Vergangenheit oder besser zu dem, was davon übrig ist, obwohl wir uns jetzt vielleicht nicht noch einmal für diesen Namen entscheiden würden.

8 Leute traten nun als Gemeinschaft in der Alten Försterei auf, wobei nur 2 älter als 17 Jahre waren und die einzige Ansage untereinander die bedingungslose Unterstützung des Vereins war. Großartig zusammenwachsen musste man nicht mehr und Differenzen bei Entscheidungsfindungen waren bei der übersichtlichen Gruppengröße auch nicht zu befürchten. Mit Abstand zur Gründungszeit fragte man sich des Öfteren, warum die "Hearts" sich ausgerechnet in einer sportlich prekären Situation zu einer Gründung entschlossen, aber im Grunde liegt die Antwort auf der Hand. Wenn es deinem Verein schlecht geht, kannst du ihm den Arsch zeigen und damit zukünftige Enttäuschungen abwenden oder aber du rückst mit jedem Leidensgenossen enger zusammen, weil geteiltes Leid bekanntlich nur halbes Leid ist und die Gemeinschaft die Last gemeinsam trägt. Im Gegenzug nimmt dich die Gruppe in die Pflicht, weiterhin immer wieder nach unten korrigierte Ziele mitzutragen. Dabei gilt es zu beachten, dass die Ziele des Vereins nicht immer auch die eigenen sein müssen.

Nachdem wir im September 2004 immerhin schon einige Monate auf der Uhr hatten, galt es nun den ersten bleibenden Tiefschlag hinzunehmen. Die Wohnungsbaugesellschaft setzte die Mieter der WG darüber in Kenntnis, dass auf die hiermit erteilte 3. Mahnung wegen Ruhestörung der Mietvertrag gekündigt wird. Ein dreiviertel Jahr Autonomie auf gut 60 m² würden nun wieder zu keimfreiem Wohnraum verkommen. Tausende von bisher unbekannten Kleintierarten würde man in die freie Natur entlassen, wo sie zugrunde gehen, bevor ein Biologe sie erforschen kann. Obwohl man im Grunde schon seit Wochen mit dem unvermeidbaren rechnete, sah man sich nicht nur mit dem Wohnungsbedarf der Bewohner konfrontiert, sondern auch mit der Frage, ob die Hammerhearts nach Verlust ihres fast täglichen Treffpunktes Auflösungserscheinungen erleiden könnten. Präventiv dagegen vorzugehen schien damals richtig und wichtig aber auch hier zeigte sich schnell, dass der Verein der kleinste gemeinsame Nenner ist und somit das Stadion als einziger wichtiger Treffpunkt fungierte. Maßnahmen wie Stammtische oder ein gemeinsames Forum wurden nach kurzer Zeit als lästig empfunden und zeigten, dass Medizin nicht hilft, wenn man nicht krank ist. Mit einem weinenden Auge sieht man zurück und erblickt riesige Zelebrierungen verschiedenster Anlässe und auch der ein oder andere Polizeieinsatz wird in Erinnerung bleiben, da er bei uns anfing und endete.

Im Oktober 2004 änderte sich durch den Beitritt einer externen namenlosen Gruppe, bestehend aus orientierungslosen Unionern, alles für uns. Nachdem diese mittlerweile einige Spieltage mit uns verbrachten, gaben wir der Bitte nach, sich uns anschließen zu können, wobei das Klientel aus Leuten im Grunde nur bedingt unseren bisherigen Mitgliedern angepasst schien. Nach ausführlichen Gesprächen konnte man jedoch die meisten Zweifler aus unseren Reihen davon überzeugen, dass die Vergrößerung der Hearts auf rund 25 Mann zwar viel Durcheinander verursachen würde, aber auf der anderen Seite auch endlich klare Ziele einer homogenen Masse zum Resultat haben könnte. Der Altersdurchschnitt der neu zu sortierenden Gruppe ging nun steil in die Höhe und Außenstehende bewerteten die neue Situation zu großen Teilen als schwierig für den Ursprung der Gruppe, da dieser sich nach der Fusion nicht nur in Unterzahl befand, sondern auch mit teilweise 10 Jahren älteren Gruppenmitgliedern, wie die Jugend seiner selbst wirkte. Aber allem Gerede zum Trotz wurde man eine Einheit und befand sich, ferner in die Zukunft gedacht, auf dem Weg in Richtung aktive Gruppe. Viele Fragen warf man auf, der Tatendrang wurde größer und mit den Monaten waren die Hammerhearts für jeden Dazugehörigen nicht nur ein Name, sondern die eigene Gruppe, deren Symbol oder Schriftzug mit Stolz getragen wurde. Innerhalb kürzester Zeit entstand die erste Zaunfahne sowie eine kleine Auswahl an Textilien und man traf sich regelmäßig außerhalb der Spieltage um die nächsten Tage oder Wochen zu planen. Die Zaunfahne war nicht die schönste und unsere Shirts sahen aus wie eine Klamottenlieferung an die Dritte Welt, aber es war unser Zeug und deshalb haben wir es auch getragen, so oft wir konnten. Nicht selbstsicher, sondern eher arrogant, zeigten die Nasen Richtung Himmel und Eigenschaften wie Zurückhaltung und Selbstreflexion mussten erst noch erlernt werden. Die ein oder andere Ordnungsschelle von Herren früheren Jahrgangs dürften als Folge nicht nur den Charakter, sondern auch den Blick für die Realität gestärkt haben.


Mit der Organisation eines Busses zum Spiel in Wuppertal wollte man den vorläufigen Höhepunkt in der noch nicht mal einjährigen HH-Geschichte besiegeln und sich mit einer 120km/h schnellen Sudelparty nebenbei auch zum Feind eines Bus-Unternehmens machen. Gesagt, getan und so ging man mit bitteren, aber absolut dem Gegenwert entsprechenden 1500 EUs in Schuld. Zum Vergleich, 1500 Eus dürften in etwa dem Gegenwert der Getränke entsprechen, die dem Teppich, der Decke und den Sitzen zum Opfer fielen...


...mit Fertigstellung dieses Textes im September 2010 muss man nach dem Lesen mit Schrecken feststellen, dass eigentlich nichts mehr so ist, wie es war. Von den "Hearts" des ersten Jahres ist nur noch ein Bruchteil übrig, nachdem man in Folge von Umorientierung und neuer Zielstellung auch ein neues Klientel an Mitgliedern ansprach und dementsprechend alte Leute in andere Richtungen abwandern sah. Trotz des schnellen Wandels der Gruppe rund um das Jahr 2007 und dem höheren Anspruch an sich selbst gewann man stets an innerer Stabilität und wusste dadurch auch mit dem ein oder anderen Rückschlag gut umzugehen. Heute ist man zu allem in der Lage, was eine gesunde Fankultur verlangt oder eben auch her gibt und das natürlich teilweise über die für falsch empfundene Reglementierung der Judikative hinaus. Das Verhältnis zwischen anderen wichtigen Teilen der Szene Köpenick wie dem Wuhlesyndikat und den Jungs vom Teen Spirit Köpenick ist besser denn je, was sich wohl schon jetzt, aber auf jeden Fall langfristig, auf die Qualität der Waldseite auswirken wird. Potenzial sondergleichen in Form von jungen Leuten, die für eine eventuelle Mitgliedschaft in eine Hammerhearts-Probezeit gehen, stärken die Gruppe enorm, was uns frohen Mutes in die Zukunft schauen lässt. In Sachen Kreativität und Aktivität legt man ständig zu und somit sind wir noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung angekommen, was uns zum abrupten Schluss des Textes kommen lässt mit dem Fazit: "da geht noch was"!

Hammerhearts 2004
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